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Studienfahrt des 12./13. Jahrgangs:London 2010

Sonntag, der 08. August 2010

Primrose Hill:

Ich kann natürlich nur für mich persönlich sprechen, aber als unsere kleine Gemeinschaft an unserem Hotel in der Baker Street in London eintraf, freute ICH mich auf erst einmal auf ein klein wenig Ruhe beim obligatorischen ,,Zimmerbeziehen“. Klar, endlich war ich in London angekommen, aber nach ungefähr 40-stündiger Busreise mit einem Haufen Realschüler, die wir in Hintertupfingen abgeholt hatten, ist ein kleiner Moment der Ruhe ja schon was schönes. 20 Minuten hätten völlig gereicht. Außerdem hätte ich ja noch 5 Tage Zeit mit die Stadt anzugucken und Souvenirs zu kaufen (oder wie manche ca. 4000 Fotos zu machen, auch wenn es nur von einem Eichhörnchen oder von einem überfüllten Mülleimer ist).
Als wir allerdings zum Empfang unseres 10-Sterne-Hotels kamen, war hinter dem Tresen nichts zu sehen außer einem Berg aus Kugelschreibern, Müll, Essensresten und Papier. Naja, und ein Telefon, von dem aus Frau Blendermann einen Zuständigen vom Hotel erreichen konnte. Nur leider eröffnete der uns, dass wir erst in ein paar Stunden in unsere Zimmer könnten (Warum weiß ich bis heute nicht, vielleicht hatte er einfach keine Lust die Karten für unsere Zimmer zusammen zu suchen). Somit beschlossen wir - oder besser gesagt wir mussten beschließen- schon mal ein wenig die Stadt zu erkunden und in den Regency Park zu gehen, der nicht weit vom Hotel liegt.
In einem Café am Eingang des Parks gab es noch mal kurz was zu essen (unsere beiden Lehrer hatten die Spendierhosen an, das muss man ausnutzen bevor die Reisekasse leer ist…), dann ging es weiter Richtung Park-Zentrum, denn wir hatten im Park einen Hügel entdeckt, von dem man ,,einen guten Überblick über die Stadt hätte”. Als alter Optimist sah ich das auch eher als weitere bevorstehende Anstrengung - man muss dazu sagen, dass es London-untypisch über 20° war und ich wie gesagt völlig fertig war (wegen den schreienden Realschülern war es für mich unmöglich im Bus zu schlafen, auch wenn es die Anderen alle irgendwie geschafft hatten und wenn ich mich meinen Schlaf nicht kriege, dann wird‘s ungemütlich ^^). Aber als wir den Anstieg dann hinter uns hatten, war es einfach der Hammer: Da oben auf dem Primrose Hill konnte ich mich  natürlich auch endlich hinsetzen und entspannen, aber ich muss zugeben: Durch den wundervollen Ausblick, wobei man echt alles Wichtige der Stadt sah (das London Eye, den Big Ben, usw.), wurde dieser Moment zu meinem ersten ,,Magic Moment” auf der Studienfahrt und von da an beschloss ich, alles so gut wie es gehen würde, zu genießen, ohne mich zu beschweren. Das fantastische Wetter tat natürlich auch noch seinen Teil dazu bei. Klingt kitschig, ist aber so. Lasst euch die Fotos zeigen, dann wisst ihr was ich meine.
Die nächsten Tage waren auf jeden Fall die beste Klassenfahrt an die ich mich erinnern kann. Aber was da passierte, erzählen euch die charmanten jungen Damen.
Kleiner Nachtrag vielleicht noch: Durch diese höchstens anderthalb Stunden auf dem Primrose Hill bekam ich natürlich einen Sonnenbrand - an sich nichts schlimmes, aber am nächsten tag schaute ich, nachdem ich geduscht hatte in den Spiegel im Bad und sah wie in Zeitlupe, wie sich die Haut von meiner Nase löste und das Blut lustig mein Gesicht runterließ. Es war echt klasse, die nächsten Tage von JEDEM gefragt zu werden, was denn mit meiner Nase los sei…

Jesse Göhlich

Montag, der 09. August 2010

Themsefahrt:

Am Montag war es dann endlich soweit, dass wir London mal von der typisch touristischen Seite kennenlernen konnten. Mit einer Themsefahrt. Nachdem alle ihre perfekte Sitzposition für die äußerst spannende, Themsefahrt eingenommen hatten konnte es los gehen. Das fantastische Wetter unterstütze diesen Ausflug nur zu gut und schenkte uns in unserer Heimatstadt ständig Fragen, ob es denn wirklich immer so schönes Wetter gegeben hätte, ziemlich untypisch für England. Keiner von uns hätte dabei gedacht, dass wir uns einen Sonnenbrand einfangen würden, Jan musste besonders Leiden, der im Anschluss die Sonnencreme bei unserem Lieblings-Drogeriemarkt Boots aufkaufte. Neben neuen Entdeckungen, die wir während der Fahrt erforschen konnten hatten wir die Chance auch alte bekannte Wahrzeichen, wie das London Eye oder den Big Ben, in London genau kennenzulernen. Besondere Hilfe dabei war der äußerst charmante und humorvolle Reiseleiter, der uns alle bei der Fahrt unterhielt. Durch eine Menge Insiderwissen und zahlreichen Sprüchen, wie "Please - don't forget your children here on board! I already have seven at home, so please mind about them!"  und " There was a big mistake at the Cleopatras Needle - The sphinx had to look at the opposite direction. It lasted a hundred years until it was discovered - by me!", brachte uns der waschechte Engländer die Stadt näher und ist uns so bis heute im Gedächtnis geblieben. Dabei spielte sein äußerst attraktiver britischer Akzent eine sehr wichtige Rolle, bei dem man nur so dahinschmelzen konnte. Außerdem wurden geheime Zukunftspläne geschmiedet wer, nach dem Abitur mit wem eine WG direkt an der Themse gründen wird und die Londonbridge entwickelte sich zum meist fotografierten Objekt der gesamten Studienfahrt. 

Lisa Kleinwächter

Dienstag, der 10. August 2010

Shakespeare‘s Globe Theatre
Am Dienstag, ein regnerischer Dienstag, hatten unsere Lehrer eine Führung in das Shakespeare‘s Globe Theatre organisiert. Auch wenn wir vermutlich mit allen Möglichkeiten gerechnet hatten, langweilige Führungen durch ein altes Theater eingeschlossen, wurden wir doch alle positiv überrascht.
Unser Guide war ein, um es gemäßigt auszudrücken, sehr extrovertierter Mann in den 40-ern.
Etwas kleiner als mittelgroß, aber mit einer Energie und Ausstrahlung die ihn für jeden gute 50 cm. größer erscheinen ließ. Schon zu Beginn merkte man, dass er nicht nur ein Theaterführer sondern selber ein begabter Schauspieler war. Er schien eine jede Führung als seine eigene Theatervorstellung zu betrachten, was sie für uns auch zu einer solchen machte.
Vehement sorgte er dafür, dass alle Aufmerksamkeit auf ihn gerichtet war. So sprach er zum Beispiel einzelne Personen gezielt an, sobald sie sich nicht so verhielten wie er sich vorstellte, dass sie sich verhalten sollten. Diesen Leuten gab er in seinem privaten Theaterstück einzelne Rollen. Eine Schülerin bekam zum Beispiel von Anfang der Führung an den Satz zugewiesen: „Money is Honey!“ Mindestens fünfmal musste sie diesen Satz wiederholen, sobald er sie anschaute, in seinen Ausführungen einen Bezug zu Shakespeares Motivation herstellen wollte, oder aber auch nur sie und alle anderen Zuhörer daran erinnern wollte, dass sie zuzuhören und mitzudenken hätten.
Äußerst humorvoll brachte er uns die grundlegendste Erkenntnisse über das Globe Theatre bei. Warum es kein Dach hatte, war scheinbar eine besonders wichtige. So antwortete eine Schülerin schlagfertig: „Maybe they liked the rain?“. Scheinbar war er dieser Art von Ironie nicht zugewandt und quittierte ihren Einwand mit: „ Are you a natural blond?! “ Aber wir alle bekamen unser Fett weg.
Der zweite Teil der Führung fand, im Gegensatz zum ersten Teil, im modernisierten Inneren des Theaters statt. In einer Art Hörsaal fanden alle ca. 100 Schüler Platz.
Von dem Mittelpunkt dieses Hörsaals aus, setzte er sein Theaterstück fort; diesmal mit Nebenrollen, die das zweifelhafte Privileg hatten mit ihm „Theater“ zu Spielen.
Er erklärte uns, er habe vor nun zu demonstrieren, wie das Theaterspielen zu Shakespeares Zeiten war. Dafür benötigte er einen Freiwilligen. Aus meinen bisherigen Erzählungen kann man sich vielleicht vorstellen, dass der Ansturm nicht besonders groß war...
Gerade als ich dachte, wie jeder andere vermutlich auch, er würde doch bestimmt nicht mich nehmen, schaute er mich gerade an und forderte mich mit einem gekonnt kaschierten diabolischen Lächeln unmissverständlich auf: „Get up, and come to me. Don`t be shy!”
Da stand ich nun also da vorne und wusste: Alles was ich sagte, konnte und würde auch gegen mich verwendet werden. Das Spielchen begann schon mit meinem Namen: „What is your Name?“ - „Katalin.“ – „Kathrin?“ – „Katalin!!!“ – „Oh. O.K., can I call you Kat? Roarr!!!“ - „No!!!“
Zwar schien er leicht enttäuscht, ließ mir jedoch tatsächlich im Nachhinein Gelegenheiten zu kontern und selber ein bisschen zu spielen.
Er befahl mir einen Satz immer wieder vor mich hin zu murmeln, während er mit seiner Führung weiter machte. Der Satz lautete: „Oh Romeo, Romeo! Wherefore art thou Romeo?“ Wenn man nun auch nur einmal versucht diesen Satz laut auszusprechen, wird man feststellen, dass man schnell an seine Grenzen stößt. So erging es auch mir...
Er erklärte uns, wie schwierig das Theater spielen in der damaligen Zeit war. Die Schauspieler waren in enge Korsetts gebunden, die ihnen beinahe jede Möglichkeit zum Atmen nahmen. Dennoch mussten sie laut genug sprechen, dass man sie auch in der letzten Reihe hören würde. Zusätzlich kamen Einschränkungen in der Bewegungsfreiheit hinzu, da die Schauspieler damals viele Röcke trugen, was ihnen von der Taille an abwärts ein glockenförmiges Aussehen verlieh.
Unser Guide, nun wirklich in seinem Element, erklärte den Zuschauern an meinem Beispiel wie die Schauspieler damals aussehen mussten: Er drückte mir mit erstaunlicher Kraft meinen Bauch zusammen und hielt dann meine Arme so, als ob ich die eben genannte Unzahl an Röcken anhätte. Unnötig zu erwähnen, dass ich mir reichlich doof vorkam...
Er unterrichtete uns alle sozusagen in einem Schnelldurchlauf in der Kunst des Theaterspielens. Wie man richtig atmet um laut genug sprechen zu können, welche Körperhaltung man einnehmen muss, usw..
Schließlich kamen wir zum Höhepunkt der Führung: Er stellte mich als Julia auf einen Stuhl und spielte einen kurzen Teil aus Shakespeares Romeo und Julia mit mir vor: Mein Anteil war zwar nur der oben genannte Satz, dessen Einsatz ich peinlicherweise auch noch verpasste, aber es genügte doch, um zu sehen, dass unser Guide ein begnadeter Schauspieler war.
Er entließ mich dann nach diesem Auftritt mit einem Handkuss von der Bühne und holte eine männliche Julia zu sich nach vorne. Zu Shakespeares Zeiten war es nämlich nur den Männern erlaubt Theater zu spielen. Was ein weiteres Problem aufwarf: Das des Küssens.
Ja, damals küssten sich zwei Männer, wenn sich Romeo und Julia küssten. Als er seiner männlichen Julia vorschlugdies zu demonstrieren, bekam er erneut ein verunsichertes aber entschlossenes „No!!!“.
Alles in allem schaffte es dieser kleine Mann, mit der gewaltigen Ausstrahlung, die Führung durch das Globe Theatre ausgesprochen spannend zu machen. Mit seiner zuweilen respektlosen aber doch faszinierend intelligenten Art, brachte er uns allen nicht nur Shakespeares Stück „Romeo und Julia“ näher, sondern auch das Theater spielen an sich. Und zumindest ich kann sagen, dass meine Achtung vor Schauspielern enorm gestiegen ist, ich wohl aber auch nie wieder den Namen Shakespeare hören werde, ohne innerlich zu schmunzeln.

P.S: Ich weiß ja nicht, ob ich mich besonders gut oder besonders dämlich angestellt habe, aber zwei Tage später im Londoner Primark schrie auf einmal ein Mädchen: “Julia!!!“ Wieder dachte ich, sie würde doch wohl kaum mich meinen.... Denkste! „Du bist Julia!“ - „Nein!?“ – „Doch die aus dem Globe Theater!“ - „Oh... Ja..“

Katalin Schmidt

Mittwoch, der 11. August 2010

Es ging nach Oxford: Die Stadt der Eliteuniversitäten, Ursprung vieler altbekannter Märchen (wer hätte gedacht, dass ‚Alice im Wunderland’ von dort kommt?), aber am wichtigsten waren dann doch die Pullover.
Das erste Highlight des Tages: „Hey, wir fahren alleine! Die Realschüler kommen nicht mit und wir haben den ganzen Bus für uns!“, damit war die Jagd auf die besten Plätze freigegeben.
Als dann auch jeder seinen Platz (mit Beinfreiheit!) gefunden hatte, konnte es losgehen:
Rausgeschmissen wurden wir mitten in der Innenstadt Oxfords und mancher stürmte erst einmal in das nahegelegene Café, um den Kaffeedurst zu stillen.
Nach kurzer Wartezeit wurden wir von unserer Reiseführerin, die an eine liebenswürdige Mischung von Mary Poppins und Professor McGonagall erinnerte, abgeholt und brachen zu einer Tour durch eine der Universitäten auf.
In der hauseigenen Kapelle kam kurze Stille auf (außer: „Hier will ich heiraten!“), doch kurze Zeit später brannten schon alle darauf zu erfahren, wo denn nun die „Große Halle“ von Harry Potter sei- zum Leidwesen aller stellte sich aber heraus, dass diese nur zu hohen Eintrittspreisen zu besuchen und ein Speisesaal, wie ihn alle Studenten nutzen, ist. Auf der Tour ging es weiter durch die alten Gemäuer, wobei es tatsächlich an der Bibliothek vorbeiging, die Kulisse für Harry Potter war; im Innenhof fanden wir dann auch die in Stein gemeißelten Köpfe von Dideldum und Dideldei, sowie weitere altbekannte Gesichter. Zum Schluss gab es dann auch noch Infos, die eigentlich nicht so im Zusammenhang mit der Universität stehen, zum Beispiel dass Mr. Bean (Rowan Atkinson) und Hugh Grant Studenten in Oxford waren.
Nachdem dann die Führung beendet war, ging die Jagd los: Schon während der Tour waren Läden mit Aufschriften nach dem Motto „Drei für Zwei!“ gefunden worden und so mancher verzweifelte bei dem Besuch von durchschnittlich fünf Läden- am Ende hatte dann aber doch jeder, der wollte, das passende Objekt der Begierde gefunden. Zufrieden und relativ erschöpft von der nachfolgenden Shoppingtour ging es dann gegen Abend zurück nach London.
Doch nach kurzem Aufenthalt im Hotel, ging es auch schon wieder los: Der Jack the Ripper Nightwalk stand auf dem Plan.
Dabei ging es von Ort des Geschehens zu Ort des Geschehens, von Mord zu Mord und mittlerweile schlenderten wir durch das stockfinstere, an manchen geschichtsträchtigen Stellen sicher auch unheimliche, London.
Manche hingen der Reiseführerin förmlich an den Lippen und waren gespannt mehr zu erfahren; andere hingegen fanden einen nebenstehenden Beziehungsstreit sehr viel interessanter oder vertrieben sich die Zeit mit Yoga und Stretchübungen.
Mit individueller Abendgestaltung (z.B. Pub-Besuch) fand der Abend dann auch einen schönen Ausklang.

Corinna Rückert

Donnerstag, der 12. August 2010 war der Abreisetag und alle hatten die Wahl, das zu tun, wozu sie Lust hatten.

 

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