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Aus dem Unterricht

Theaterklasse Jahrgang 5

Wundersames, Erschröckliches

und Belehrendes

von der Vorväter

Heidenthume


Zusammengetragen, verfertigt und

aufgeführt und zu erbaulichem

Gebrauch dargebracht

Anno Domini 2005 von der Klasse 5d

Noch zwei Minuten, dann muss ich auf die Bühne. Meine Knie schlottern, ich bin so aufgeregt, dass ich meinen Herzschlag deutlich höre. Um mich herum stehen Mitschüler, denen man ansieht, dass sie Lampenfieber haben. Manche murmeln starr vor sich hin, andere gucken auf den Boden, während sie an ihrer Unterlippe nagen. Es ist schon heftig. Das letzte halbe Jahr haben wir an unserem Stück gearbeitet; wir haben es zusammen geschrieben, die Rollen verteilt (jeder hat eine bekommen) und miteinander geprobt. Ich höre die Stimmen der Schauspieler auf der Bühne.

Dort spielen mehrere Welten: Der Himmel mit den Göttern und ihren Gehilfen, Manla in der Mitte, ein kleines Dorf auf der Erde mit den Einwohnern, die sich Manli nennen, und die Unterwelt mit den teufelsähnlichen Knarzen. Jetzt zum Anfang treten die Götter auf. Auf der Bühne geben einige Götter den Zuschauern einen Einblick in das langweilige Götterleben. Dann - für mich geht es viel zu schnell - kommen auch schon die Manla-Menschen. Alle leben in Harmonie, die Erwachsenen erfinden Gedichte und die Kinder spielen miteinander. Die Szene ist zu Ende! Der Vorhang geht zu. Mein Herz rutscht mir in die Hose, jetzt wird`s ernst. Wir Knarzen rennen auf die Bühne, schnell wird alles umgebaut. Und plötzlich geht der Vorhang auf! Ich vergesse meinen Text. Und ich krame in all den guten Vorsätzen – nichts!

Alle Eltern sitzen in den Stuhlreihen, einige mit Fotoapparat oder einer Videokamera. Oh, oh! Der Vorhang bleibt in der richtigen Position stehen. Und jetzt, wo ich eigentlich etwas sagen müsste, starre ich ins Publikum. Ich sehe alle Eltern, die mich gespannt anschauen. Plötzlich fällt es mir wieder ein: Die Knarzen leben von allem Bösen, das in den Herzen der Manli gefühlt wird. Im Moment haben sie großen Hunger, denn die Manli empfinden nur Gutes für ihre Mitbewohner. So schmieden wir einen Plan, die Manlis gegeneinander aufzuhetzen. Dies klappt auch. Aber die Knarzen haben nicht mit den Kindern gerechnet und auch nicht damit, dass die Götter auf die Idee kommen, den Manlis zu helfen. Deshalb findet nach einigen Verwirrungen ein Zaubererduell statt.

Zuerst gewinnen die Knarze einen Kampf mit wilden Zaubersprüchen, während durch ein Stroboskoplicht hexisches Blitzlicht auf die Bühne gestrahlt wird. Doch als die Götter und Manla-Zauberer sich zusammentun, besiegen sie das Böse. Es ist vorbei; wir verbeugen uns und erhalten viel Applaus. In mir wird ein glückliches Gefühl ausgelöst. Es hat den Eltern gefallen, und ich wette, in den anderen kommt das gleiche Gefühl hoch. Es ist atemberaubend. Doch in meinem Hinterkopf spüre ich es: Die Knarzen kommen wieder! Es gibt ja noch ein Schuljahr in unserer Theaterklasse. Und nächstes Mal schaffen sie es. Aber jetzt wollen wir alle erst einmal zu dem kleinen Büffet gehen, dass unsere Eltern für uns organisiert haben.



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